03.12.2012

Nachlese: Bernhard-Remmers-Preis 2012

Elżbieta Lech-Gotthardt versetzt keine Berge, sondern Häuser. „Sie hat Mut bewiesen und klug gehandelt“, sagte Professor Manfred Gerner während der Preisverleihung des diesjährigen Bernhard-Remmers-Preises.

Grußworte von Dr. Fritz Jaeckel, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und LandwirtschaftFür die gelungene Translozierung eines Umgebindehauses vom Dorf Wigancice nach Zgorzelec im polnischen Teil der Stadt Görlitz, wurde Elzbieta Lech-Gotthardt während der Messe „denkmal 2012“ in Leipzig vor etwa 700 Gästen mit dem Bernhard-Remmers-Preis ausgezeichnet.

Großes Lob von Gerd-Dieter Sieverding (Vorsitzender des Aufsichtsrates der Remmers AG), Andreas Paul (Geschäftsführer der Bernhard-Remmers-Akademie) und Dr. Fritz Jaeckel (Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft) ging ebenfalls an ihre Mitstreiter, das Bauunternehmen Izery und der Zimmerei Gregory.

Sie alle haben gemeinsam ein Ziel erreicht: das einstige Stellmacherhaus, Baujahr 1822, vor den alles vernichtenden Schaufeln der Braunkohleindustrie zu retten, es abzubauen und an einem anderen Ort mit viel Originalsubstanz wieder aufzustellen. Als „Rademacher Hof“ ist es heute ein Denkmal mit Leuchtturmwirkung für die gesamte Umgebindelandschaft.Der Rettung des Gebäudes wurde ein neuer Nutzungsplan angeschlossen. Das Haus, gebaut zum Wohnen und Arbeiten einer Stellmacherfamilie, sollte zur Pension mit Restaurant für internationale Gäste werden. Genauso international, wie das Umgebinde selbst.

Im Dreiländereck Polen, Tschechien und Deutschland gibt es circa 20.000 dieser besonderen Fachwerkhäuser. 13.000 auf tschechischem, 6.000 auf deutschem und 1.000 auf polnischem Boden. Eine Blockstube und ein Massivbau werden vom Fachwerk als Stützkonstruktionumbunden. Slawische und fränkische Bauweise in einem Haus vereint, das gibt es dort in einmaliger Konzentration.„Seit 1949 sind über 50 Prozent der Häuser vernichtet worden“, machte Prof. Gerner die Situation deutlich, jedes Haus sei erhaltenswert. Jetzt ist die europäische Hauslandschaft noch sichtbar, das älteste Haus dieser Bauart, das Hugenottenhaus aus dem Jahr 1602, steht in Ebersbach in der Oberlausitz. Das Stellmacherhaus ist 200 Jahre jünger, für Elżbieta Lech-Gotthardt und ihre Familie stellte es dennoch eine echte Herausforderung dar, die großen Sinn für Denkmale und Phantasie voraussetzt.

Rückblick: Am 16. Mai 2005 wurde das Haus in nur drei Tagen abgebaut, 520 Elemente wurden nummeriert, gereinigt und mit Holzschutz versehen, sechs Elemente mussten ausgetauscht werden, neun Tage dauerte das Aufrichten, am 11. Juni wurde Richtfest gefeiert. Walter Bourichter, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Münster a. D. und Vorsitzender des Beirates der Bernhard-Remmers-Akademie, überreichte Elżbieta Lech-Gotthardt den Bernhard-Remmers-Preis in Form einer Plastik aus brasilianischem Bergkristall, eine Urkunde und 5000 Euro „für herausragende Leistungen in der handwerklichen Baudenkmalpflege“ gab es ebenfalls.


Von links nach rechts: Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Dietmar Stephan (Beirat der Bernhard-Remmers-Akademie), Jerzy Gotthardt und Elzbieta Lech-Gotthardt, Preisträger, Frank Sieverding (Geschäfsführender Gesellschafter 3H-Lacke), Prof. Dr. Uwe Meiners (Beirat der Bernhard-Remmers-Akademie), Andreas Paul (Geschäftsführer der Bernhard-Remmers-Akademie), Prof. Dr. rer. nat. Helmut Weber (Beirat der Bernhard-Remmers-Akademie), Walter Bourichter
(Vorsitzender des Beirates der Bernhard-Remmers-Akademie), Prezes Krzysztof Kopalski, Preisträger, Dirk Sieverding (Sprecher des Vorstandes der Remmers AG), Prof. Dipl.-Ing. Manfred Gerner, Grzegorz Gregor, Janusz Sudakiewicz, Gerd-Dieter Sieverding (Vorsitzender des Aufsichtsrates der Remmers AG)

„Ich bin stolz auf diesen Preis“, sagte die sympathische Preisträgerin und bedankte sich bei allen Mitwirkenden. Sie hoffe darauf, dass es weitere Projekte mit der Bernhard-Remmers-Akademie gebe, die gemeinsam mit Prof. Gerner wesentlich zum Erfolg des Projektes beigetragen hätten. „Mit diesem Preis erlebt das Umgebindeland heute einen großen Triumph“, sagte sie und beeindruckte das internationale Publikum der Denkmalmesse mit Bescheidenheit trotz der Tatsache, etwas ganz Besonderes geleistet zu haben.


Text: Diana Wetzestein