17.04.2013

Sanierung von Abwasserschächten im Test

Wasser und Strom wurden teurer und deshalb laufen in den Haushalten zunehmend Geschirrspüler, WC, Waschmaschinen und Duschen im Sparmodus. Die Folge: der allgemein zu beobachtende rückläufgeWasserverbrauch führt zwangsläufg zu einer Reduzierung der Abwassermenge, nicht aber der transportierten Schmutzfrachten. Im Kanalsystem entsteht deshalb bei geringer Fließgeschwindigkeit anaerobes Abwasser – ein Nährboden für die Bildung von übelriechendem Schwefelwasserstoff (H2S), die Vorstufe zur biogenen Schwefelsäure-Korrosion (BSK).

Dieser Zersetzungsprozess stellt die Abwasserwirtschaft vor ein enormes,
ständig zunehmendes Problem. Denn bereits ab einem Wert von 0,5 ppm
H2S in der Kanalatmosphäre nagt BSK an den zementgebundenen und metallenen Baustoffen. Dadurch entstehen große bauliche Schäden mit weit
reichenden Folgen, bis hin zum vollständigen Substanzverlust des Baukörpers.

Das IKT-Forschungsprojekt

Um Schäden nach erfolgter Instandsetzung zu vermeiden, beantragte 2008 das Ministerium des Landes Nordrhein-Westfalen das IKT-Institut für Unterirdische Infrastruktur in Gelsenkirchen mit einem Forschungsprojekt.
Ziel war die Untersuchung der Eignung von Materialien und Systemen
zur Abdichtung und Beschichtung von Abwasserschächten. Die Prüfungen
erfolgten in einem Großversuchsstand an 20 Schachtbauwerken aus Betonfertigteilen. Getestet wurden mineralische und polymere Beschichtungssysteme sowie ein Silikatmörtel von Remmers mit verschiedenen Applikationsverfahren. Dazu zählten der manuelle Auftrag und
der maschinelle mit Spritz- oder Schleudertechnik. Durch die Versuchsanordnung konnten Zeitraffer-Effekte genutzt werden, um ein mögliches Versagen der Beschichtungen durch frühe Maximalbelastung der
Bauteile und ihrer Beschichtung zu beschleunigen. Die mit dieser Testreihe
gewonnenen Erkenntnisse verschafften einen guten Überblick über die
Leistungsgrenzen der unterschiedlichen Materialen und Verfahren*.

Bewertung der Ergebnisse

Das Fazit zieht Thomas Rosenberger, Remmers Fachplanung. Der Planungs- und Objektmanager WWT, Sachverständiger für Schäden an  Abdichtungssystemen unterstützt im Rahmen der Remmers Fachplanung verantwortliche Mitarbeiter der Wasser- und Abwässerverbände sowie ausführende Betriebe bei der Realisierung von Projekten im Wasser- und Abwasserbereich.

„Die Sanierung von Abwasserschächten ist eine komplexe Aufgabenstellung, da hierbei Untergrundvorbehandlung, Abdichtung gegen positiven und negativen Wasserdruck sowie Oberflächenschutz zu beachten sind.

Das belegt auch der IKT-Bericht mit seinen Prüfungsergebnissen bei den polymeren und mineralischen Systemen. Sie zeigen, dass die polymeren Systeme nur mit einem enormen Aufwand mängelfrei einzusetzen sind.

Mineralische Beschichtungen sind hingegen im Langzeitverhalten deutlich sicherer und bleiben schadensfrei. Zieht man nun noch die sehr häufig in Abwasserschächten anliegende BSK-Belastung in Betracht, so geht in der
Summe der Eigenschaften die Remmers-Silicate-Technologie als Testsieger hervor.

Mehr Sicherheit bei der Sanierung von Abwasserschächten ist mit einer mineralischen Auskleidung momentan nicht realisierbar.”

 

"Im Moment sehen die mit der Remmers-Silicate-Technologie
sanierten Schachtbauwerke sehr gut aus"
Statement von Dipl.-Ing. Sven Kuschla, Standentwässerung Garbsen, Bereich Technik

"Die Aufgabe der Stadtentwässerung Garbsen besteht in der Sicherstellung der Entsorgung des anfallenden Abwassers in Garbsen. Um dies dauerhaft ohne Betriebsstörung gewährleisten zu können, muss unser Kanalnetz und die zugehörigen Schachtbauwerke ständig unterhalten werden. Insbesondere bei zementgebundenen Bauteilen, also den  Schachtbauwerken, ist in einigen Abschnitten im Stadtgebiet ein verstärkter Angriff von  Betonkorrosion zu verzeichnen, dem wir begegnen müssen, um die Schachtsubstanz zu erhalten.

Durch die vermehrt auftretende biogene Schwefelsäure-Korrosion (BSK) entstand in den letzten Jahren ein besonderer Handlungsbedarf. Wir waren gezwungen, unsere Sanierungskonzepte zu überdenken. So haben wir 2010 ein Sanierungssystem gesucht, das es ermöglicht, Schachtbauwerke mit   mäßigem bis mittlerem BSK-Angriff mit vergleichsweise geringem Aufwand zu sanieren. Produkthersteller wie z.B. Remmers, der Verarbeiter SMG und in jüngerer Zeit das IKT-Prüfinstitut mit seinen Testreihen konkurrierender Systeme leisteten ihre Beiträge und das Ergebnis lässt erwarten, dass wir ein Problem gemeistert haben.

Seit rund drei Jahren gibt es in der Gruppe der mineralischen Beschichtungssysteme mit der Silicate-Technologie von Remmers eine vielversprechende Neuerung, die sich auch bei den IKT-Testreihen sehr bewährt hat. Wir haben sie bereits 2010 eingesetzt und verfügen insofern
über erste Erfahrungen. Bisher können wir eine positive Bilanz ziehen: augenscheinlich kann der Silikat-Mörtel dem Angriff von geringer BSK  standhalten. Im Moment sehen die mit der Remmers-Silicate-Technologie sanierten Schachtbauwerke sehr gut aus, es ist derzeit keine Korrosion sichtbar. Aktuell gehen wir von einer Verlängerung der Nutzungsdauer von 10 bis 15 Jahren aus. Die Materialkennwerte des Silikat-Mörtels entsprechen unseren Vorstellungen und werden bestätigt durch die bisherigen Ergebnisse. Nach meiner Einschätzung liegt die größte Herausforderung darin, dieses  Sanierungsmaterial fachmännisch zu verarbeiten und hierbei besonders das Timing zu beacht en. Beeinflussende Faktoren sind die Witterungsbedingungen, das Anmischen des Mörtels und die  Applikationstechnik. Dies setz t viel Erfahrung beim Verarbeiter voraus.

Aus unserer Sicht als Netzbetreiber bietet die Silicate-Technologie das Potenzial, die Bausubstanz von Abwasserschächten zu schützen. In Deutschland gibt es ca. 10 Mio. Abwasserschächte und das Kanalnetz ist teilweise sehr alt. Das IKT Institut fuür Unterirdische Infrastruktur hat sich rechtzeitig mit seinen wissenschaftlichen Methoden dieser Problematik angenommen und den Markt transparent gemacht. Wir in Garbsen werden auch zukünftig die Teile unseres Kanalsystems mit dem Remmers-Silicate-System sanieren, die einem geringen bis mittleren Angriff ausgesetzt sind."


*F00180-Schachtsanierung - © 2011 All rights reserved by IKT gGmbH